Ein damals 63-jähriger Mann nahm auf einer Internetplattform Kontakt mit «Maria» auf, die angab, 13 Jahre alt zu sein. Tatsächlich handelte es sich um einen verdeckten Ermittler der Kantonspolizei Bern. Über mehrere Monate führte der Mann zahlreiche Chats mit «Maria», in denen er wiederholt sexuelle Themen ansprach, ihr körperliche Komplimente machte, sie nach Fotos im Bikini fragte und ein Treffen plante. Am 3. Juli 2019 erschien er am vereinbarten Treffpunkt – mit Geld und einer Fotokamera – und wurde dort festgenommen.
Das Regionalgericht Bern-Mittelland verurteilte ihn wegen versuchter sexueller Handlungen mit einem Kind sowie wegen Besitzes von Kinderpornografie zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 28 Monaten. Das Berner Obergericht reduzierte die Strafe auf 13 Monate, bestätigte aber den Schuldspruch, ordnete eine ambulante Therapie an und verhängte ein lebenslanges Berufsverbot für Tätigkeiten mit regelmässigem Kontakt zu Minderjährigen.
Vor dem höchsten Gericht argumentierte der Mann, er habe im Chat keine konkreten sexuellen Handlungen angekündigt und es habe kein geeigneter, ungestörter Tatort vorgelegen. Die Richter liessen diese Einwände nicht gelten. Entscheidend sei nicht, ob im Chat explizite Absprachen getroffen wurden, sondern die Gesamtheit aller Umstände. Der Mann hatte über Monate systematisch Vertrauen aufgebaut, auf ein Treffen an einem abgelegenen Ort gedrängt und war schliesslich persönlich erschienen – damit hatte er nach Einschätzung der Richter den entscheidenden Schritt zur Tatausführung getan.
Das Gericht stützte sich auch auf ein forensisch-psychiatrisches Gutachten, das beim Mann eine ausgeprägte pädophile Neigung und einen starken Sexualtrieb diagnostiziert hatte, sowie auf eine auf seinem Laptop gefundene Excel-Liste mit 555 Kontakten, bei denen er bei Minderjährigen fast ausschliesslich sexuelle Inhalte notiert hatte. Die Verurteilung wurde in allen Punkten bestätigt.